Der Geruch ist unverwechselbar. Nicht der übliche säuerliche Schweißgeruch – sondern etwas Stechenderes, Schärferes. Wer ihn einmal wahrgenommen hat, erkennt ihn sofort wieder. Und wer das erste Mal damit konfrontiert wird, fragt sich zu Recht, was da eigentlich passiert ist.
Ammoniak in Sportschuhen ist kein Zeichen schlechter Hygiene. Es ist ein Hinweis auf etwas, das während des Trainings im Körper abgelaufen ist.
Was Ammoniak mit dem Training zu tun hat
Der menschliche Körper gewinnt Energie hauptsächlich aus Kohlenhydraten und Fetten. Unter bestimmten Bedingungen – besonders bei sehr intensivem oder sehr langem Ausdauertraining – greift er zusätzlich auf Aminosäuren zurück. Aminosäuren sind die Bausteine von Proteinen, und wenn sie als Energiequelle verbrannt werden, entsteht als Nebenprodukt Ammoniak.
Dieser Ammoniak wird über verschiedene Wege ausgeschieden – unter anderem über den Schweiß. Wer nach einem intensiven Training Schuhe hat, die nach Ammoniak riechen, hat in diesem Training einen erheblichen Teil seiner Energie aus Proteinabbau gewonnen.
Das passiert besonders häufig in folgenden Situationen: sehr langes Training über mehrere Stunden, intensives Training auf nüchternem Magen oder mit erschöpften Kohlenhydratspeichern, und bei Menschen, die generell sehr proteinreich essen und dabei verhältnismäßig wenig Kohlenhydrate zuführen.
Warum der Geruch im Schuh hängen bleibt
Ammoniak ist ein flüchtiges Gas – er sollte eigentlich schnell verfliegen. Warum riecht der Schuh dann noch Stunden oder Tage später?
Das liegt daran, dass Ammoniak sich in feuchten Materialien löst. Die Einlegesohle und das Schuhinnere nehmen den ammoniakhaltigen Schweiß auf und halten ihn fest. Beim Trocknen entweicht ein Teil, aber nicht alles – besonders wenn der Schuh nicht vollständig durchgetrocknet ist.
Wer den Schuh schnell nach dem Training schließt oder in eine Tasche steckt, verstärkt diesen Effekt. Die Feuchtigkeit bleibt länger im Material, und der Ammoniak bleibt mit ihr.
Was dagegen hilft
Der Geruch selbst lässt sich mit denselben Methoden behandeln wie normaler Schuhgeruch. Einlegesohle herausnehmen und separat trocknen lassen. Natron ins Schuhinnere geben – es ist basisch und bindet saure wie basische Geruchsstoffe gleichermaßen gut. Schuh vollständig durchlüften lassen, bevor er wieder getragen wird.
Was den Geruch langfristig reduziert, ist aber weniger eine Frage der Schuhpflege als eine Frage der Ernährung und des Trainings. Wer vor intensiven Einheiten ausreichend Kohlenhydrate zu sich nimmt, gibt dem Körper eine bevorzugte Energiequelle – und reduziert damit den Rückgriff auf Aminosäuren. Der Ammoniakgeruch wird in der Folge deutlich seltener oder schwächer auftreten.
Das ist einer der wenigen Fälle beim Thema Schuhgeruch, in dem die eigentliche Lösung nicht am Schuh ansetzt, sondern woanders.
Kein Grund zur Sorge – aber ein Signal
Ammoniakgeruch in Sportschuhen ist kein medizinisches Problem und kein Hinweis auf eine Erkrankung. Er ist ein normales Stoffwechselsignal bei bestimmten Trainingsbedingungen.
Wer ihn sehr häufig wahrnimmt, auch bei moderater Belastung und ausreichender Kohlenhydratzufuhr, und gleichzeitig andere ungewöhnliche Symptome bemerkt, sollte das mit einem Arzt besprechen – nicht wegen des Geruchs selbst, sondern weil der Körper in diesem Fall möglicherweise auf andere Ursachen hinweist.
Für die meisten Sportler ist Ammoniakgeruch nach sehr intensiven Einheiten aber schlicht ein Zeichen dafür, dass das Training anspruchsvoll war. Mehr steckt in den meisten Fällen nicht dahinter.
Wer grundsätzlich mehr darüber verstehen möchte, wie Schweiß und Bakterien zusammenwirken und warum Sportschuhe überhaupt riechen, findet die Zusammenhänge im Artikel Warum stinken meine Sneaker erklärt.
